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13.01.00



Internet-Buchhändler baut aus

Das Winterthurer Online- Geschäft buch.ch hat 1999 seinen Umsatz auf rund vier Millionen Franken verdoppelt. Sechs neue Stellen und neue Räume sind nötig.

Von Andreas Mösli

Im September hat die Familie Schneebeli ihre gleichnamige Buchhandlung an den zweitgrössten deutschen Internetbuchhändler buecher.de verkauft. Die Übernahme kam aber nicht wegen des kleinen Verkaufsladens in der Altstadt zu Stande, sondern weil die Schneebeli AG mit buch.ch das führende Online-Buchgeschäft in der Schweiz betrieb. Mit dem Kauf verschaffte sich das Münchner Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil für den Einstieg in den bis dahin wenig umkämpften Schweizer Markt.

Mehr Personal, mehr Raum

Buch.ch zähle inzwischen 19 000 Online-Kunden, und das Umsatzwachstum betrage monatlich 20 Prozent, sagt der ehemalige Mitinhaber Pascal Schneebeli. Der 26-jährige Betriebswirtschaftsstudent und Sohn von Firmengründer Alexander Schneebeli arbeitet für die neuen Besitzer noch bis Mitte Jahr als Berater. Für das letzte Jahr schätzt er den Umsatz auf vier Millionen Franken - doppelt so viel wie im Jahr zuvor. Renditezahlen werden nicht bekannt gegeben, doch Schneebeli sagt, buch.ch erwirtschafte drei Jahre nach der Gründung einen Gewinn.

Schwerer Stand für kleine Pioniere

Das rasche Wachstum wirkt sich auch auf die Arbeitsplätze aus: Heute teilen sich in Winterthur 13 Angestellte 10,4 Stellen - bei der Firmenübernahme im Herbst waren es 4,1 Stellen. Deshalb zieht buch.ch Ende Januar aus den engen Kellerräumen in der Altstadt in ein neues Gewerbehaus am Deutweg. Sowohl die Personalentwicklung als auch der Umzug wären laut Schneebeli ohne die neuen Besitzer nicht möglich gewesen. "Wir hätten nie so viel Geld in die Hand nehmen können und hätten das Wachstum bedeutend vorsichtiger angehen müssen."

Auch sonst hätten die neuen Besitzer ganz andere Möglichkeiten, etwa bei der Werbung, sagt Schneebeli. Der Familienbetrieb habe dafür 40 000 Franken im Jahr ausgegeben; so viel stehe buecher.de in einer Woche zur Verfügung - allerdings für einen bedeutend grösseren Markt. Das zeigt Wirkung: So hat das Unternehmen mit der NZZ einen Exklusivvertrag ausgehandelt, sodass buch.ch seit kurzem der einzige Werbeträger auf der NZZ-Internetseite ist.

Obwohl viele Online-Verkäufer heute noch rote Zahlen schreiben, gilt der Bücherverkauf übers Internet als Zukunftsgeschäft. Heute werden in der Schweiz erst zwei Prozent der Bücher am Computer bestellt, was etwa einem Jahresumsatz von 20 Millionen Franken entspricht. Experten sind mit ihren Prognosen vorsichtig, sprechen aber von einem Potenzial von 100 Millionen Franken.

Die kleinen Pioniere haben dabei zunehmend Mühe, sich behaupten zu können, weil finanzstarke Unternehmen auf den Schweizer Markt drängen. So kämpfen seit letztem Herbst buecher.de und der deutsche Medienkonzern Bertelsmann um die Marktführung. Für die Familie Schneebeli sei denn auch klar gewesen, so Pascal Schneebeli, dass "die zweite Runde nur mit einem potenten Partner bewältigt werden kann".

Internet verändert Berufsbild

Mit dem Internetshopping wandeln sich auch die traditionellen Berufsbilder. Um in einer Online-Buchhandlung zu arbeiten, muss man keine klassische Buchhändler-Ausbildung absolviert haben. "Die meisten, die bei uns arbeiten, kommen aus dem Kaufmännischen oder aus der Informatik", sagt Schneebeli. Das Bestell- und Debitorenwesen sowie die Kundenbetreuung sind die wichtigsten Arbeiten, von denen 80 Prozent am Bildschirm erledigt werden, und zwar zu normalen Bürozeiten.

Buchhandlung in neuen Händen

Kein Interesse hatte der grosse Online-Verkäufer aus München an Schneebelis konventioneller Altstadt-Buchhandlung. Denn der Laden an der Obergasse ist mit einer Verkaufsfläche von 80 Quadratmetern und einem Umsatz von etwas über einer Million Franken ein kleiner Fisch. Kaufen musste ihn buecher.de trotzdem, weil beide Geschäftszweige unter einem Firmendach vereinigt waren und laut Pascal Schneebeli in seiner Familie niemand mehr Lust verspürte, seine Energie in den Laden zu stecken.

Die Buchhandlung stand vor dem Aus, wäre da nicht die langjährige Geschäftsführerin Daniela Binder gewesen. Sie gründete zusammen mit drei externen Partnern eine GmbH, die den Laden mit Hilfe eines Darlehens der Familie Schneebeli kaufte. Anders als buecher.de rechnet Binder nicht mit finanziellen Höhenflügen. Ihr Ziel sei es, den Umsatz zu halten und schwarze Zahlen zu schreiben.


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